In den letzten Wochen mussten zahlreiche Fernsehzuschauer auf DVB-T2 HD umsteigen und ihren alten DVB-T Receiver zum Elektroschrott bringen. Wenn man sich diese angebliche Fernsehrevolution genauer anschaut, dann ist am Versorgungsauftrag vorbei gearbeitet worden. Zu viele weiße Flecken schmücken das unter dem Produktnamen „Freenet TV“ vormals angepriesene „überall Fernsehen“.

Digitale Dividende brachte DVB-T2 HD

Die Mobilfunker brauchen mehr Bandbreite für Ihre Datendienste. Der Boom von Smartphones und mobilen Datendiensten sorgte dafür, dass die bisherigen Frequenzen nicht mehr ausreichten, bzw. aufgrund der besonderen Ausbreitungsbedingungen der bisherigen Funkfrequenzen im 900 und 1800 MHz Bereich, machten Begehrlichkeiten auf die 700 MHz Frequenzbereiche, nachdem das alte Analogfernsehen von diesem Frequenzbereich „freigeräumt“ wurde. Es wird von Digitale Dividende gesprochen.

Früher reichte ein Stück Kupferdraht als Antenne

Definitv kein "Überall-Fernsehen" - DVB-T2 HD enttäuscht mit Emfangslücken.

Definitiv kein “Überall-Fernsehen” – DVB-T2 HD enttäuscht mit Empfangslücken.

In den Anfangszeiten etablierte sich das Antennenfernsehen auf den Frequenzbereichen von 470 MHz bis 690 MHz und in den oberen Bändern von 700 MHz bis 778 MHz. Die Ausbreitungsbedingungen auf diesen Frequenzbändern sorgte für eine nahezu flächendeckende Versorgung mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen und später auch mit den ersten privaten TV-Angeboten. Ein Stückchen Kupferdraht reichte meistens für ein halbwegs erträgliches Fernsehbild. Der Versorgungsauftrag war in Zeiten ohne Satelliten-Fernsehen auch klar. Jede Familie sollte erreicht werden. Egal ob Ballungsgebiet, oder hinterstes Sauerland. In den Tälern des Sauerlands wurden für diesen Versorgungsauftrag noch zusätzliche „Umsetzer“ aufgestellt, die dann das Fernsehsignal verstärkt auch in die „Funkschatten“ der großen Flächensender brachte.

Dieser freie Empfang wurde dann vor wenigen Jahren dem neuen digitalen TV-Rundfunk geopfert. Es kam das DVB-T – die Übertragung fand digital statt. Eigentlich eine tolle Sache. Auch hier sollte der Fernsehempfang mit nur einem kurzen Kupferdraht möglich sein. Jedoch nur, wenn die Sendeleistung der damaligen Analogsender 1:1 beibehalten würden. Das fand leider nicht statt. Die Sender wollten Strom sparen und reduzierten die Sendeleistung. Schon beim DVB-T (1) entstanden so zahlreiche weiße Flecken. Klein Problem, wenn es noch das Analogfernsehen parallel gibt bzw. gab. Aber diese parallele Ausstrahlung wurde auch für die sogenannte Digitale Dividende geopfert. Das Sauerland ist nun auf jeden Fall nicht mehr Versorgt. Eine Frage nach dem einstigen Versorgungsauftrag oder warum bei horrenden Rundfunkgebühren dort kein Empfang realisiert wird, ist mehr als berechtigt.

DVB-T2 HD ist ein Kostentreiber und eine Umweltsauerei

Auf der einen Seite ist ja verständlich, dass die Mobilfunkanbieter mehr Bandbreite benötigen. Der Finanzminister freut sich über Mehreinnahmen für neue Frequenzbänder.

Das wäre alles nicht so traurig, wenn diese Mehreinnahmen dann nicht indirekt die TV-Zuschauer bezahlen müssten. Diese wurden durch die Umstrukturierung auf DVB-T2 HD quasi gezwungen in neue Empfangsgeräte zu investieren. Die alten DVB-T Reciever und Fernsehgeräte waren teilweise noch gar nicht so alt, als das diese hätten ersetzt werden müssen. Und dann wird die neue Technik auch noch nicht einmal an jedem Ort empfangbar sein. Von dem ursprünglichen „Überall-Fernsehen“ kann also keine Rede mehr sein.

Antennenfernsehen hat trotz zahlreicher TV-Alternativen (Internetfernsehen / Kabelfernsehen / Sat-TV) immer noch seine Berechtigung.

Neben diesem Investitionszwang kommt die nächste Sauerei: Der Fernsehzuschauer wird auch noch zu kostenpflichtige Zusatz-Abo-Gebühren gezwungen, wenn er den Privatrundfunk weiterhin empfangen will. Weil der Betreiber von der DVB-T2 HD Plattform seine Kosten refinanzieren will. Die öffentlich-rechtlichen Programme sind glücklicherweise unverschlüsselt und weiterhin kostenfrei.

Alles in Allem können wir nur zum Wechsel der Empfangs Art raten. Das heutige Antennenfernsehen – auch aufgrund der Zusatzkosten – sollte nicht mehr die erste Wahl sein. Oft kann man aufgrund des Breitbandausbaus von DSL-Leitungen für einen kleinen Aufpreis sein Fernsehprogramm wesentlich besser und umfangreicher über das Internet empfangen. Das Produkt von der Deutschen Telekom (Telekom Entertainment) hat seine Kinderkrankheiten nun hinter sich gelassen und ist absolut Zukunftssicher. Oder auch im Umkehrschluss kann man zum bestehenden Kabelnetz-Anschluss ohne Probleme eine Internetleitung hinzubuchen. Unity Media ist ebenfalls mit einem Wettbewerbsprodukt an vielen Orten empfehlenswert!

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Veröffentlicht von:

Sven Oliver Rüsche

Hallo mein Name ist Sven Oliver Rüsche. Seit mehr als 20 Jahren bin ich beruflich in der ITK Branche tätig. Als ehemaliger Vertriebsleiter von Telekom-Partner-Shops und als langjähriger Internet-Unternehmer habe ich die Telekommunikation, die Computertechnik und die Mobiltelekommunikation in ihren Anfängen im Detail kennengelernt und begleite diese redaktionell seitdem. Sven Oliver Rüsche ist als Journalist Mitglied im DPV Deutscher Presse Verband – Verband für Journalisten e.V. / Mitgliedsnummer: DE-537932-001 / Int. Press-Card: 613159-537932-002. Sie erreichen mich in den sozialen Netzwerken: FACEBOOK, GOOGLE+, INSTAGRAM, TWITTER und XING.